Wer schreibt, der bleibt

Wie der Spiegel berichtet, hat die Expertenkommission um Issing, die von Merkel eingesetzt wurde, erste konkrete Vorschläge zur Optimierung der Bankenaufsicht gemacht, so dass Merkel beim Finanzgipfel dieses Wochenende inhaltlich gut vorbereitet ist. Kernelemente sind:

  • Ausweitung der Aufsicht auf alle Finanzmarktakteure, also nicht nur Banken, sondern auch die Asset Management Abteilungen von Versicherungen, Hedgefonds, Zweckgesellschaften usw.
  • Ausweitung der Aufsicht auf alle Finanzmarktprodukte
  • Internationale Aufsicht, die auch die Steueroasen berücksichtigt
  • Weitergehende Regulierung und Überprüfung der Qualität der Ratingagenturen
  • Einführung eines internationalen Kreditregisters, Erstellung einer Risiko-Weltkarte, um die Entstehung von Klumpenrisiken zu visualisieren
  • Umgestaltung der Anreizsysteme in Banken hin zu langfristiger Orientierung, Berücksichtung von Malus-Systemen
  • Eingriffe in die Praxis der Forderungsverbriefung, u. a. soll die Equity-Tranche zwingend beim Originator verbleiben
  • Erhöhung der Eigenkapitalquote auf 5% ohne Möglichkeit der regulatorischen Arbitrage; Kredite an Hedgefonds sollen noch höher hinterlegt werden
  • Kristallisationskern für internationale Bankenaufsicht soll die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) werden, da ihre Kompetenz größer ist als die des IWF, der sich bisher vor allem auf makroökonomische Themen konzentriert hat.
  • Europaweit einheitliche Finanzmarktaufsicht

Zur Nomenklatur

Bisher gab es in den USA das TARP – Troubled Assets Relief Program, an dieser Stelle auch Mother of all bailouts genannt. Durch den Politikwechsel von Hank Paulson, der den Aufkauf von Ramschanleihen ausschließt, bevor er überhaupt begonnen hat, wurde daraus TERP – Troubled Equity Relief Program. Aber vielleicht sollte man es auch einfach MHGS nennen – Moral Hazard Generation Scheme, denn dadurch, dass heute jeder, der Probleme hat, irgendwie zur Bank wird, werden gerade die Unternehmen gerettet, die aufgrund eigener Unfähigkeit vor der Pleite stehen – siehe General Motors, deren Kursziel von der Deutschen Bank mit Null angegeben wird, und Goldman Sachs stellt die Analyse ein, weil kein Ausweg gesehen wird, dass die Aktionäre von GM ungeschoren davonkommen könnten.

Auf FT Alphaville wird der Begriff eingehender durchdekliniert.

Bewerbung für den Titel…

„Missverständliche Überschrift des Jahres“ durch den Guardian: „We must start thinking like South American dictators“

Gavyn Davies spricht zum Glück nur von der Geldpolitik – wenn kein Geld mehr da ist, soll neues gedruckt werden.

Das Krugman-Modell der Währungskrise, Leerverkäufe und Bankenpleiten

Im Spiegel-Online-Forum kam die Frage auf, warum denn Leerverkäufe verboten wurden, wenn sie doch eigentlich marktstabilisierend sind, hier meine Antwort.

Die Leerverkäufe wurden auf Druck der Banken verboten, weil der Aktienkurs einer Bank ebenso ein Ausweis des Marktvertrauens ist wie z. B. die Kosten für eine Kreditversicherung, bei der diese Bank das Objekt ist. Nur ist der Aktienkurs viel weiter bekannt, und diese Information ist leichter erhältlich. Gleichzeitig spielen die Leerverkäufe einer Bank die Rolle, die im Krugman-Modell der Währungskrise Spekulative Verkäufe der Heimatwährung spielen: Krugman beschreibt den Fall, dass ein Land einen festen Wechselkurs hat, wobei der Wechselkurs über seinem Fundamentalwert liegt, so dass die Zentralbank einen stetigen Verlust an Devisenreserven hat, um den Wechselkurs aufrecht zu erhalten. Mit begrenzten Devisenreserven ist also der Zeitpunkt vorhersehbar, an dem der Wechselkurs aufgegeben wird. Für Spekulanten lohnt sich also, die Währung zu verkaufen, weil sie nach Freigabe des Wechselkurs von der Abwertung profitieren können. Hierdurch erhöht sich der Druck auf die Zentralbank, die Devisenreserven fließen noch schneller ab, und der Wechselkurs wird früher aufgegeben, als fundamental zu erwarten wäre. Die Spekulation beschleunigt also einen Prozess, der aber im Ergebnis nicht abzuwenden wäre.

Analog für die Banken bedeutet dies: Die Banken verlieren Eigenkapital, weil die Refinanzierungskosten höher sind als die Erträge (inverse Zinskurve), dies spiegelt sich im sinkenden Aktienkurs wieder, wobei hier ein selbstverstärkender Prozess einsetzt, dass der sinkende Kurs als Beleg für sinkende Kreditwürdigkeit angesehen wird, was die Refinanzierungskosten weiter erhöht. Leerverkäufe beschleunigen hier den Prozess, ändern aber nichts an den Ursachen oder am Ergebnis.

Ein richtiges Vermögen

„Möchten Sie ein kleines, ein mittleres oder ein richtiges Vermögen ausgeben?“

„Ein richtiges Vermögen.“

„Ein Mann nach meinem Geschmack.“

Die Rolle des großzügigen Spenders wird in nächster Zeit wohl China übernehmen: Die Volksrepublik hat ein 586 Mrd. US-$ Konjunkturprogramm angekündigt. Jetzt scheint es sich auszuzahlen, dass man wegen eines unterbewerteten festen Wechselkurs 2 Billionen US-$ Devisenreserven aufhäufen konnte.