Während Russlands Börse ja schon eine ganze Zeit im Gleichtakt mit dem Westen zusammenbricht, scheinen die Probleme jetzt auch immer stärker auf den russischen Geldmarkt überzugreifen: Die mittelgroße Bank Globex hat die Einlagen eingefroren, nachdem in den letzten beiden Monaten 29% abgezogen wurden, was dazu geführt hat, dass bei anderen Banken die Einlagen verstärkt abgezogen werden. Mittlerweile hat die Regierung 149 Mrd. € für Kriseninterventionen bereitgestellt.
Gleichzeitig verhandelt die Ukraine mit dem Internationalen Währungsfonds über einen Notkredit in Höhe von 14 Mrd. $, und Ungarn hat am Donnerstag von der EZB eine 5 Mrd. € Kreditlinie bewilligt bekommen.
Während es wenig überrascht, dass die Länder mit Leistungsbilanzdefizit in dieser Krise Probleme bekommen, bin ich vom Ausmaß in Russland doch etwas überrascht – dort sind die Börsenkurse bereits um 66% eingebrochen.
Okay, hier lag der Fehler nicht bei der Software selbst, sondern saß vor dem Computer, aber immer noch bemerkenswert: Als Barclays Teile von Lehman übernommen hat, wurden die einzelnen Kreditverträge in einer Excel-Tabelle gesammelt, wobei 179 Verträge versteckt wurden, die nicht übernommen werden sollten. Bei der Konvertierung in PDF für das Insolvenzgerichtsverfahren tauchten die Verträge leider wieder auf.
Eine Reihe ernsthafter Probleme mit Excel zeigt Patrick Burns auf.
Nachdem Willem Buiter in seinem Blog auf ft.com sehr früh und sehr eindringlich für eine Rekapitalisierung und Verstaatlichung der Banken geworben hat, damit die Märkte wieder Vertrauen fassen, argumentiert er jetzt dafür, dass der Staat sich auch so schnell wie möglich wieder aus dem Geschäftsbankensystem zurückzieht.
Seine wesentlichen Argumente ergeben sich aus den Folgen politischen Einflusses auf die Geschäftspolitik:
Politisch gewünschte Kreditvergabe zur makroökonomischen Stabilisierung, deren Nachteil darin besteht, dass hier die Banken gezwungen werden Risiken auf sich zu nehmen, die sie gerade in der Rezession nicht auf sich nehmen sollten.
Mittelvergabe nach politischen Kriterien, d. h. die Banken werden eine günstige Geldquelle für politische Projekte, die ansonsten vom Staat finanziert werden müssten.
Postenschacher, Banken werden zum Abstellplatz für Politpensionäre.
Wettbewerbsverzerrung, da die Staatsbanken – wie bisher die Landsbanken unter Gewährsträgerhaftung – günstiger refinanzieren können. Diese Banken haben ebenso einen Wettbewerbsvorteil, wenn es um die Einlagensicherheit geht.
Im gleichen Beitrag macht er eine Reihe von Vorschlägen, welche Änderungen an den Finanzmarktregularien vorgenommen werden sollen:
Global agierenden Banken müssen globale Überwachungsinstitutionen gegenübergestellt werden.
Die Regulierung muss alle Unternehmen betreffen, die mit großem Eigenkapitalhebel am Finanzmarkt tätig sind, unabhängig davon, ob sie sich Bank, Versicherung, Hedgefonds, Special Purpose Vehicle oder Fahrradladen nennt.
Die Überwachung muss anhand extern nachvollziehbarer Kennzahlen erfolgen, d. h., das System von Basel II, das auf internen Risikomodellen beruht – und zur regulatorischen Arbitrage eingeladen hat, muss wieder abgeschafft werden.
Die Überwachung darf nicht von Informationen abhängig sein, die von möglicherweise nicht objektiven, privaten Ratingagenturen bereitgestellt werden.
Die Regulierung muss die verwendeten Hebel und das Mismatching (Laufzeit, Liquidität, Währung) begrenzen. Möglicherweise ist hier der Hebel der einzig wichtige Parameter, wenn das mögliche Mismatching vom Hebel abhängt.
Die Regulierung muss sich sowohl auf die Liquidität der Kreditmärkte und Kapitalmärkte als auch auf die Eigenkapitalausstattung der Banken konzentrieren.
Gerade bei Alea gefunden: Franke und Krahnen von der Uni Frankfurt haben ein Paper geschrieben, das untersucht, welche Zukunft Verbriefungen haben können. In der Analyse der Ursachen für die fehlende Liquidität der Wertpapiermärkte sowie des Interbanken-Geldmarkts führen sie auf Designfehler in der Anreizstruktur der Wertschöpfungskette zurück, nicht auf grundlegende Fehler im Design der Verbriefungen. Daher sehen sie auch keinen Grund für schwerwiegende regulatorische Eingriffe, und machen die folgenden Vorschläge:
Der Originator soll einen Anteil an der Verbriefung im Bestand behalten, wobei veröffentlicht werden muss, welche Qualität dieser Anteil haben muss.
Die Vergütung der Manager muss darauf ausgelegt werden, langfristige Ziele zu verfolgen, wobei Verhalten, das das System destabilisieren kann, bestraft werden soll.
Erhöhte Transparenz zum effektiven Risikoübertrag, Vergütungen, die sich am eingegangenen Risiko orientieren und eine vertrauenswürdige Messung der Rating-Performance erlauben eine bessere Bewertung der Wertpapiere und stärken damit die Kapitalbasis der Gegenparteien.
Intermediäre, die aufgrund des Geschäftsmodells ihr Risiko nicht transparent machen können, müssen höhere Eigenkapitalauflagen bekommen.
Ich habe bisher nur die Zusammenfassung gelesen, und werde noch einmal ein umfangreichere Zusammenfassung schreiben.
Paul Krugman wurde gestern für seinen Beitrag zur Außenhandelstheorie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, und er war auch Begründer der Theorie der Währungskrisen. Weniger bekannt dürfte allerding sein, dass Krugman bereits 1978 eine Theorie des interestellaren Handels aufgestellt hat – wird Zeit, dass dies von Star Trek entsprechend gewürdigt wird.