Kreditrationierung und Gütermarkt-Angebot

Willem Buiter hat einen Artikel über die möglicherweise inflationären Auswirkungen von Kreditrationierungen auf das Güterangebot geschrieben.

Das Orakel von Omaha zum Investment-Banking

Naked Capitalism hat einen schönen Artikel über den Nutzen des Investmentbanking für die Gesamtheit der Investoren ausgegraben, den Warren Buffet in seinem Brief an die Aktionäre von 2005 geschrieben hat (S. 17ff).

Sechs Wochen sind ein schöner, langer Urlaub

oder die Zeit, in der in Deutschlands Innepolitik kein Stein auf dem anderen bleibt – Günter Bannas hat einen Überblick über die letzten Wochen geschrieben, von Becks Rücktritt bis Köhlers Unterschrift.

Geldmarkt taut nur sehr langsam auf

Auch wenn die Kursbewegungen an den Börsen die meiste Aufmerksamkeit in den Medien bekommen, so findet die richtige Krise doch am Geldmarkt statt, also am Markt für kurzfristige Kredite. Der Leitzins hierfür ist der LIBOR (London Interbank Offered Rate), der zur Zeit einen Abstand zu den Renditen kurzfristiger Staatsanleihen von gut 400 Basispunkten hat (d. h. 4 Prozentpunkte). Nick Gogerty hat einmal grob durchgerechnet, welche Kosten für die Wirtschaft aufgrund des erhöhten LIBOR bisher entstanden sind: Ungefähr 730 Mrd. $.

Das Bemerkenswerte an dieser Entwicklung ist, dass dieser Spread entstehen konnte, obwohl die Zentralbanken die Geldmärkte mit Liquidität überfluten, nach FT Alphaville mit mehreren Billionen US-$.  Meiner Meinung nach ist dies aber auch einer der Gründe dafür, dass der Interbankenmarkt nicht wieder anspringt, weil die Banken auf der Nachfrageseite sich zu günstigeren Konditionen bei der Zentralbank refinanzieren können. Dies wird auch noch so lange der Fall sein, bis wieder genug Vertrauen im Markt entstanden ist, dass die Gegenparteien nicht plötzlich doch ausfallen.

Wie ich bereits hier geschrieben habe, wäre eine Lösung für dieses Problem, wenn die Zentralbank als Clearinghouse die zentrale Gegenpartei im Internbankenmarkt sein würde. Willem Buiter hat diese Idee weiter ausgeführt.

Ungewollte Konsequenzen des Lehman-Zusammenbruchs

Mittlerweile dürfte es ein Allgemeinplatz geworden sein, dass es ein Fehler war, Lehman zusammenbrechen zu lassen – meiner Interpretation nach deshalb, weil die Banken komplett verunsichert wurden, wie stabil ihre Geschäftspartner denn wirklich sein würden.

John Hempton beleuchtet aber ein weiteres Problem, das aus einer regulatorischen Lücke in Großbritannien stammt: Während in den USA (und meines wissens nach auch in Deutschland) Wertpapiere der Kunden unabhängig vom Vermögen der Bank sind, die diese verwaltet, konnte Lehman die Wertpapiere ihrer Kunden in Großbritannien als Sicherheit für eigene Kredite verwenden, weswegen jetzt die Wertpapiere dieser Kunden in der Konkursmasse eingefroren sind.

Dies ist ein Problem für die Hedgefonds-Kunden, die z. B. Aktien auf Kredit gekauft haben, und jetzt Nachschüsse liefern müssen, weil sie die Aktien nicht verkaufen können. Im Endeffekt wurden diese stark gehebelten Hedgefonds-Positionen zu Lehman-Positionen, und mussten schnell aufgelöst werden, wodurch der Verkaufsdruck auf allen Finanzmärkten erhöht wurde. Eine andere Folge ist die Kursexplosion bei Volkswagen, weil viele Hedgefonds VW leerverkauft haben. Ausgelöst durch die Auflösung der Positionen bei Lehman stieg VW, und viele andere Fonds, die VW short waren, mussten sich eindecken, mit der bekannten Folge eines short squeeze, und einer allgemeinen Ansteckung der Hedgefonds, die bisher noch nicht von Lehman betroffen waren. Hemptons Fazit: The market remains irrational – but it might be irrational for rational reasons.