Eine europäische Lösung?

Wie mehrheitlich von den Finanzmarktexperten gefordert (z. B. von Willem Buiter) , ist eine international koordinierte Rekapitalisierung der Banken („Teilverstaatlichung“) eine notwendige Maßnahme, um die Finanzmärkte wieder zum Leben zu erwecken. Gerade im Euroraum gibt es hier natürlich beträchtliche politische und rechtliche Probleme.

Mein Eindruck ist, dass hier die EZB gefordert ist, d. h. die Mitgliedsländer müssten kurzfristig die Satzung dergestallt ändern, dass ein Sondervermögen mit Mitteln der Staaten ausgestattet wird, dass dann auf der Grundlage fester Regeln das Bankensystem rekapitalisiert, wobei Banken, die das System in Anspruch nehmen, oder dazu gezwungen werden, für eine bestimmte Zeit unter EZB-Verwaltung gestellt wird. Hierzu würde dann auch gehören, dass die Teilnehmerbanken erstens wieder im Interbankenmarkt aktiv werden und zweitens ihre Kredite gegenüber realwirtschaftlichen Unternehmen nicht weiter Einschränken, als aufgrund der Wirtschaftslage notwendig. Ein wesentlicher Vorteil wäre natürlich, dass hier die Chance besteht, die überforderte Politik aus dem Verfahren rauszuhalten, nachdem die Mittel geflossen sind – und wahrscheinlich könnte man damit auch einige Gesetze elegant umgehen.

Außenhandel vor dem Kollaps?

Okay, ein weiterer Teil des Geldmarktes, der für das Funktionieren der Realwirtschaft überlebensnotwendig ist, scheint kaputtzugehen: Wie Yves Smith berichtet, gibt es erste Zeichen, dass die Banken Letter of Credits, die als Sicherheit für Schiffsladungen ausgestellt werden, nicht mehr akzeptieren. Wenn sich dieser Trend durchsetzt, könnte innerhalb kürzester Zeit der Außenhandel zusammenbrechen, weil die Exporteure dann keine Absicherung mehr haben, dass ihre Ware auch bezahlt wird.

Keine rosigen Aussichten

Wolfgang Münchau schreibt über die krisenverstärkende Einflüsse des kurzsichtigen, egoistischen Krisenmanagements unserer Politiker, und er ist nicht optimistisch, dass die Politik zu einem besseren Ergebnis führt als 1929.

Zur Zeit fellt es schwer, seine Vorwürfe zu entkräften, aber mein Eindruck ist – z. B. aufgrund der intensiven internationalen Kontakte heute – dass die Politik jetzt eine internationale, und weitreichende Lösung der Krise anstrebt. Es ist ja nicht so, dass es keine Erfahrungen mit internationalen Finanzkrisen und die notwendigen Schritte gibt, nur haben diese Schritte kurzfristige hohe politische Kosten, man könnte vielleicht sagen, dass die Politiker jetzt an der Grenze sind in einem Obstfeld-Modell der Währungskrise zwischen Aufrechterhaltung des Währungsregimes und Aufgabe, in diesem Fall also die Frage, ob verstaatlicht werden muss oder nicht.

Ein interessanter Gedanke von Richard Kline in der Diskussion auf naked capitalism:

The first moves in a crisis are almost always wrong; we see that here, but it’s a truism. First moves are conditioned responses. Conditioned responses map to prevailing conditions, i.e. ‚the box.‘ Crises blow out or collapse fundamental parameters of the box. Thus, by definition first moves get the transformational conditions wrong, and so bungle. If we could get policy makers to see this, we _might_ get better policy. But there is the parallel issue that major public policy ventures, especially financial ones, are as much about ’signal‘ as about ’substance.‘ Policy makers know that much of their power is in signaling, so they give the signals which are expected in prevailing conditions; not to do so would decrease their initial advantages and confuse participants. it’s a double bind of a kind. What we need are Solon’s who stay current, and anyone with that kind of ability isn’t going to be in the public sector when they could be raking it in on their own. Just the way of the world, my friends . . . .

The City’s got it right!

Großbritannien hat jetzt ein geschlossenes Rettungspaket vorgestellt: 200 Mrd Pfund Liquidität durch die Bank of England, 50Mrd Pfund neues Eigenkapital von der Regierung und Garantien für kurz- und mittelfristige Bankschulden. Das gesamte Paket gibt es hier. Sieht für mich wie eine Blaupause für Herrn Steinbrück aus.

The City's got it right!

Großbritannien hat jetzt ein geschlossenes Rettungspaket vorgestellt: 200 Mrd Pfund Liquidität durch die Bank of England, 50Mrd Pfund neues Eigenkapital von der Regierung und Garantien für kurz- und mittelfristige Bankschulden. Das gesamte Paket gibt es hier. Sieht für mich wie eine Blaupause für Herrn Steinbrück aus.