FT Alphaville hat eine Grafik der Bank of America veröffentlicht, die die Folgen der Geldpolitik der Fed darstellt:
Wie man sieht, hat die Fed durch ihre Liquiditätsprogramme sehr viel neues Geld geschaffen – aktuell 1,1 Bil. US-$. Durch den Verkaufvon neuen Treasury-Bills hat sie aber einen Teil des neu geschaffenen Geldes wieder eingesammelt – aber eben nur einen Teil. Im Effekt hat sie so gut 500 Mrd. US-$ neues Zentralbankgeld in der Summe bereitgestellt. Ceteris paribus müsste dies also eine Explosion der Geldmenge haben – aber die Dinge sind nicht gleich geblieben – Abbildung 12 zeigt, wie der Geldmengenmultiplikator – also das Verhältnis von M1 zum Zentralbankgeld eingebrochen ist.
Ich bin jetzt mal faul, und stell einfach den Artikel rein, den nikitskyfund.com (S. 8 ) geschrieben hat. Der ganze Report ist sehr lesenswert.
How could it have Happened – II?
The LTCM Precedent
When in 1998 Long-Term Capital Management went to the wall – ironically, threatening to take down Lehman Bros in its wake – what happened was not that a single risk was badly miscalculated, destabilizing
their entire business model – their model was sufficiently robust to deal with one or even several outliers. Instead, what happened is that their system implicitly treated individual risks as independent, yet in the event, when one of them swung out to a six-sigma deviation, all of the others followed, and internal correlations drove prices further and further from any rational level.
This appears to provide a serviceable analogy for the Chernobyl-style events now ricocheting through the global economy. While many economists, ourselves included, had warned of the danger of single events, i.e. a collapse in the CDOs, failure of the SIVs and other offbalance sheet entities, a housing crisis, bank failures, Fannie/Freddie, the bankruptcy of the US carmakers, a collapse of the US, British and Spanish housing markets, a failure of the Baltic/Balkan finance model, etc. etc. what we failed to appreciate was that they could all happen simultaneously, i.e. that each outlier event could trigger the others. It has.
Und noch ein guter Bericht aus der gleichen Feder – 41 Thesen (nur 41, weil Martin Luther mit 95 Thesen nicht nur gute Erfahrungen gemacht hat).
… oder auf deutsch: Der VEB Finazsektor. So, oder so ähnlich sieht Willem Buiter die Zukunft der Banken, wenn sie nicht in kurzer Zeit anfangen, wieder aus eigenem Antrieb Kredite an den Nichtbanken-Bereich der Wirtschaft zu vergeben.
Er kommt zu diesem radikalen Schluss, weil es grundsätzlich nur drei Gründe für die Existenz des Finanzsektors – in der Rolle des Finanzmediärs – gibt: 1. Ausgleich zwischen Agenten, die überschüssige Liquditität haben und Agenten, die einen Finanzierungsbedarf haben, 2. Der Ausgleich von Risiken innerhalb der Wirtschaft und 3. Das Portfoliomanagement der Investitionen. Alle drei Funktionen werden zur Zeit wenig bis gar nicht erfüllt, bzw. sind weit von ihrem gesamtwirtschaftlichen Optimum entfernt. Nach Buiter kann man daher nicht mehr von einer Krise im Finanzsektor sprechen und auch nicht mehr von einer Krise des Finanzsektors – der Finanzsektor insgesamt ist tot.
Die wichtigste Funktion für die Volkswirtschaft ist zweifellos die Kreditvergabe an Unternehmen, da besonders die eher eigenkapitalschwachen kleinen und mittleren Unternehmen sonst in Schwierigkeiten geraten, wenn ihnen der Zugang zu Fremdkapital verwehrt wird. Als mögliche Ursachen für die jetzige Weigerung des Finanzsektors, Kredite zu vergeben, sieht Buiter fünf Gründe: 1. Die bisherige Kreditvergabe war irrational stark ausgeweitet, und die Banken haben erst jetzt zu einer rationalen Bewertung der Risiken zurückgekehrt. 2. Der Kreditmarkt weisst zwei selbsterfüllende Gleichgewichtszustände auf, und durch Schocks auf den Markt ist dieser in das schlechte Gleichgewicht geraten, in der die Banken eine Depression erwarten, daher die Kreditvergabe einstellen, und somit erst den Zustand schaffen, in dem eine Depression sich entwickeln kann. 3. Nach der exzessiven Kreditvergabe der Vorjahre haben in den Banken die Risikomanager und Buchhalter die Regie übernommen, für die es wenig Anreize für eine Kreditvergabe gibt, da diese zu keinem Bonus führt, aber im Verlustfall den Arbeitsplatz gefährdet. 4. Schiere Panik bei den Bankmanagern. 5. Banken horten Liquidität, um nicht staatliche Rettungspakete in Anspruch nehmen zu müssen, da diese in der Regel mit Einschränkungen der Entlohnungspolitik und Ausschüttungspolitik verbunden sind.
Während Buiter den ersten Grund ausschließt – er also keine objektive Bewertung der Ausfallrisiken der Kredite an den Nichtfinanzsektor sieht – geht er davon aus, dass die restlichen Ursachen zum gleichen Teil ihren Beitrag leisten. Aus diesem Grund fordert er, dass der Staat die Banken dazu zwingen muss, die Kreditvergabe wieder aufzunehmen, wozu er drei Wege vorschlägt:
1. Es wird gesetzlich festgelegt, dass existierende Kredite, die im nächsten Jahr zur Erneuerung anstehen, bedingungslos verlängert werden. Das Problem hierbei ist, dass dies den Unternehmen nicht hilft, die ihr Geschäft mit Hilfe von Fremdkapital ausweiten wollen.
2. Der Staat gibt den Banken Kreditvergabeziele vor, z. B. das bisherige Kreditvolumen + 5%, und wenn die Banken das Ziel nicht erfüllen, wird die Abweichung als Steuer vereinnahmt.
3. Da die Banken sowieso nur noch aufgrund der staatlichen Unterstützung existieren, kann dieser umstand auch formalisiert werden, d. h. die Banken werden verstaatlicht, und bisherige Vorstände und Aufsichtsräte werden gefeuert.
Wie gesagt, ein radikaler Ansatz, und ein Zeichen für die Umstände, in die der Finanzsektor geraten ist, dass die Forderung der Verstaatlichung von einem Professor der London School of Economics und ehemaligen Mitglied des Kontrollrats der Bank of England kommen kann. Man sollte allerdings bedenken, dass die Situation Englands eine andere als die Deutschlands ist, da hier mit den Sparkassen und Genossenschaftsbanken zwei Säulen des Banksystems existieren, die nicht primär an der Gewinnmaximierung orientiert sind, und von daher eine Lücke der Kreditvergabe durch Privatbanken füllen können.
So könnte vielleicht der Titel einer der nächsten Hart-aber-fair-Sendungen sein. Zur Erinnerung: Brüning war der Reichskanzler, der während der Weltwirtschaftskrise einen harten Konsolidierungskurs gefahren hat, und dadurch den Zusammenbruch der Wirtschaft in Deutschland weiter beschleunigen half – so zumindest die allgemeine Wahrnehmung (1).
Zur Zeit muss man den Eindruck haben, dass die deutschen Haushaltspolitiker wenn nicht im Umfang, dann doch in der Tendenz den gleichen Fehler zu machen bereit sind – man ist stolz auf die erreichte Haushaltskonsolidierung, und will das Erreichte nicht durch Konjunkturpakete wieder aufgeben. Gleichzeitig wirkt wohl bei vielen noch die Erfahrung der 1970er Jahre, als die Konjunkturpakete wirkungslos blieben.
Diese Zögerlichkeit der Politik erscheint mir sehr gefährlich, da gleichzeitig von Medien und Wissenschaft die Meinung verbreitet wird, die beschlossenen Massnahmen würden keine Wirkung zeigen und seien vom Umfang her zu klein. Schnell kann hieraus eine Erwartung entstehen, die Politik würde dadurch sehenden Auges die Rezession verschlimmern, anstatt durch entschlossenes Handeln dafür zu sorgen, dass die Rezession flach und kurz bleibt.
Meiner Meinung nach ist es daher notwendig, dass jetzt ein klares Signal von der Regierung kommt, dass man das Problem erkannt hat, dass man bereit ist, eine sinnvolle Summe (im Bereich 1-1,5% des BIP) einzusetzen, dass man dafür sorgen will, dass die Mittel möglichst effizient wirken, und man daher noch 1-2 Monate für die Planung braucht. Dabei besteht dann natürlich die Gefahr, dass in der Zwischenzeit jedes mögliche Partikularinteresse sich an diesem Kuchen beteiligen will. Dennoch wäre es meiner Meinung nach besser, wenn die Regierung jetzt die Führung übernimmt, um zu einer Beruhigung zu sorgen.
Im Übrigen würde dies auch die deutsche Position in der EU deutlich verstärken, da sonst im Ausland der Eindruck herrschen könnte, Deutschland versuche als Trittbrettfahrer von den Konjunkturprogrammen des Auslands zu profitieren. Dies ist übrigens ein wichtiges Argument für die internationale Koordination: In kleinen offenen Volkswirtschaften ist die Fiskalpolitik normalerweise wirkungslos, da ein Großteil der eingesetzten Mittel ins Ausland abfließen. Insofern kann nur eine gleichgerichtete, zeitgleiche Fiskalpolitik der miteinander verbundenen Volkswirtschaften dafür sorgen, dass jede einzelne Volkswirtschaft einen wirksamen Impuls erhält, und deswegen ist die deutsche Weigerung, sich international zu beteiligen auch nicht hilfreich.
(1) Hiermit hedge ich meine Faulheit, nicht genau nachgeschlagen zu haben im Vertrauen auf mein Gedächtnis.
Nach der Bekanntgabe der letzten amerikanischen Liquiditäts, Bankenrettungs- und Konjunkturpläne sind erwartungsgemäß die CDS-Spreads für amerikanische Staatsanleihen, also die Kreditversicherungsraten für die US-Regierung, angestiegen. Dieser Spread wird auch Armageddon-Index genannt, aus der Überlegung heraus, was passieren müsste, damit die USA den Staatsbankrott erklären müssten, und welche Folgen dies hätte.
Mittlerweile gibt es eine Reihe von US-Unternehmen, deren CDS-Spreads niedriger sind als die der US-Regierung, wie FT Alphaville recherchiert hat:
AT&T Mobility (28bps)
Baxter International (24.5bps)
Campbell Soup (31bps)
Ingersoll Rand (40bps)
Lockheed Martin (30bps)
McDonalds (29.5bps)
Wyeth (35bps)
Also Unternehmen, die Medikamente, billige Lebensmittel, Waffen und Blutdrucksenker herstellen – womit sich der Kreis zu den Armageddon-Trades schließt. Und Market Watch hat 7 Szenarien aufgestellt, die zur Realisierung des Risiko führen könnten.