Das Krugman-Modell der Währungskrise, Leerverkäufe und Bankenpleiten

Im Spiegel-Online-Forum kam die Frage auf, warum denn Leerverkäufe verboten wurden, wenn sie doch eigentlich marktstabilisierend sind, hier meine Antwort.

Die Leerverkäufe wurden auf Druck der Banken verboten, weil der Aktienkurs einer Bank ebenso ein Ausweis des Marktvertrauens ist wie z. B. die Kosten für eine Kreditversicherung, bei der diese Bank das Objekt ist. Nur ist der Aktienkurs viel weiter bekannt, und diese Information ist leichter erhältlich. Gleichzeitig spielen die Leerverkäufe einer Bank die Rolle, die im Krugman-Modell der Währungskrise Spekulative Verkäufe der Heimatwährung spielen: Krugman beschreibt den Fall, dass ein Land einen festen Wechselkurs hat, wobei der Wechselkurs über seinem Fundamentalwert liegt, so dass die Zentralbank einen stetigen Verlust an Devisenreserven hat, um den Wechselkurs aufrecht zu erhalten. Mit begrenzten Devisenreserven ist also der Zeitpunkt vorhersehbar, an dem der Wechselkurs aufgegeben wird. Für Spekulanten lohnt sich also, die Währung zu verkaufen, weil sie nach Freigabe des Wechselkurs von der Abwertung profitieren können. Hierdurch erhöht sich der Druck auf die Zentralbank, die Devisenreserven fließen noch schneller ab, und der Wechselkurs wird früher aufgegeben, als fundamental zu erwarten wäre. Die Spekulation beschleunigt also einen Prozess, der aber im Ergebnis nicht abzuwenden wäre.

Analog für die Banken bedeutet dies: Die Banken verlieren Eigenkapital, weil die Refinanzierungskosten höher sind als die Erträge (inverse Zinskurve), dies spiegelt sich im sinkenden Aktienkurs wieder, wobei hier ein selbstverstärkender Prozess einsetzt, dass der sinkende Kurs als Beleg für sinkende Kreditwürdigkeit angesehen wird, was die Refinanzierungskosten weiter erhöht. Leerverkäufe beschleunigen hier den Prozess, ändern aber nichts an den Ursachen oder am Ergebnis.

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