Ungewollte Konsequenzen des Lehman-Zusammenbruchs

Mittlerweile dürfte es ein Allgemeinplatz geworden sein, dass es ein Fehler war, Lehman zusammenbrechen zu lassen – meiner Interpretation nach deshalb, weil die Banken komplett verunsichert wurden, wie stabil ihre Geschäftspartner denn wirklich sein würden.

John Hempton beleuchtet aber ein weiteres Problem, das aus einer regulatorischen Lücke in Großbritannien stammt: Während in den USA (und meines wissens nach auch in Deutschland) Wertpapiere der Kunden unabhängig vom Vermögen der Bank sind, die diese verwaltet, konnte Lehman die Wertpapiere ihrer Kunden in Großbritannien als Sicherheit für eigene Kredite verwenden, weswegen jetzt die Wertpapiere dieser Kunden in der Konkursmasse eingefroren sind.

Dies ist ein Problem für die Hedgefonds-Kunden, die z. B. Aktien auf Kredit gekauft haben, und jetzt Nachschüsse liefern müssen, weil sie die Aktien nicht verkaufen können. Im Endeffekt wurden diese stark gehebelten Hedgefonds-Positionen zu Lehman-Positionen, und mussten schnell aufgelöst werden, wodurch der Verkaufsdruck auf allen Finanzmärkten erhöht wurde. Eine andere Folge ist die Kursexplosion bei Volkswagen, weil viele Hedgefonds VW leerverkauft haben. Ausgelöst durch die Auflösung der Positionen bei Lehman stieg VW, und viele andere Fonds, die VW short waren, mussten sich eindecken, mit der bekannten Folge eines short squeeze, und einer allgemeinen Ansteckung der Hedgefonds, die bisher noch nicht von Lehman betroffen waren. Hemptons Fazit: The market remains irrational – but it might be irrational for rational reasons.

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